22. September 2015

Studienauswertung: Führungskräfte und Gesundheit

ANLASS

Im November 2014 veröffentlichte die Bundesagentur für Arbeitssicherheit und Arbeitsschutz (BAuA) eine wichtige Studie zur Fragestellung:

Welchen Einfluss haben die Führungskräfte auf die Gesundheit der Mitarbeiter?


HINTERGRUND

Seit vielen Jahren beschäftigt sich u.a. die BAuA mit zentralen und konkreten Fragen rund um das Thema Stressbelastungen am Arbeitsplatz und deren Auswirkung auf die Gesundheit. Dass dies eine relevante und wesentliche Fragestellung ist, zeigte bereits der Stressreport 2012 sehr eindeutig. Menschen sind zunehmend psychischen Belastungen während der Arbeitszeit ausgesetzt und dies macht krank. Die Ursachen von physischer und psychischer Gesundheit sind unmittelbar im Zusammenhang zu sehen. Besonders die psychischen Belastungen stehen im Mittelpunkt der Diskussionen und werden oftmals von den Unternehmen als auch von den Führungskräften unterschätzt. Dies bedeutet, dass hier erhebliche Ressourcen und Potentiale liegen. Etliche Studien der letzten Jahre zeigen die Tendenz, dass die psychischen Belastungen weiterhin stark zunehmen und immer mehr Menschen, unabhängig vom Alter, Geschlecht, der sozialen Stellung im Unternehmen, der Unternehmensbranche oder dem psychosozialen Hintergrund desjenigen, betroffen sind.

 

Doch wie kann man seine Mitarbeiter effektiv schützen? Die aktuelle Studie der BAuA aus dem November 2014 gibt wichtige Hinweise hierzu. Die untersuchte Fragestellung lautet: Welchen Beitrag leisten Führungskräfte für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter und wie kann dieser verbessert werden?


DATEN UND FAKTEN

  • Die ReSuLead-Studie ("Rewarding and Sustainable Health Promoting Leadership") mit dem deutschen Titel „Wertschätzende und nachhaltige gesundheitsförderliche Führung“ wurde u.a. durch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) im Rahmen eines dreijährigen europäischen Verbundprojektes initiiert.
  • Deutsche (Leipzig), schwedische (Västeras) und finnische (Tampere) Forschungsgruppen haben je zwei verschiedene Studien durchgeführt und ihre Ergebnisse zusammengetragen, um auch den Einfluss von kulturellen Unterschieden zu dokumentieren.
  • Im Fokus der Studie standen unterschiedliche Merkmale von Führungseigenschaften im Zusammenhang mit den Auswirkungen auf den psychischen Zustand der Mitarbeiter, messbar in Zufriedenheit, Engagement und Motivation.
  • Das Thema Führung  und Gesundheit wurde in dieser Studie als komplex-soziales Interaktionsmodell verstanden.
  • Es wurden sowohl kurzfristige, also eher akute Effekte, als auch Langzeiteffekte erhoben und dokumentiert.
  • Der Beobachtungszeitraum betrug 22 Monate (Längsschittstudie mit drei Messzeitpunkten).


ERGEBNISSE

  • Das Führungsverhalten von Vorgesetzten hat einen bedeutsamen Einfluss auf die Gesundheit der Beschäftigten.
  • Gesundheitsförderliches Führungsverhalten mit nachweisbar positiven Auswirkungen auf die Gesundheit der Beschäftigten ist lernbar und kann trainiert werden.
  • Es zeigten sich relevante und messbare Effekte auf das aktuelle Arbeitsklima als auch nachhaltig, wenn die Führungskräfte gezielt und für die Mitarbeiter wahrnehmbar einen wertschätzenden und motivierenden Umgang praktizierten.
  • Besonders die langzeitlichen Effekte sind von erheblicher Relevanz für die Gesundheit der Mitarbeiter. Sie setzen voraus, dass die Führungskräfte konsequent und dauerhaft die gesundheitsfördernden Maßnahmen in die Praxis umsetzen.
  • Mitarbeiter mit einer guten Grundgesundheit und niedrigen psychischen Belastungen schätzten die jeweiligen Führungskräfte besser bezüglich ihres Führungsstils ein und bewerteten diese grundsätzlich deutlich positiver.
  • Wichtige Einflussparameter waren u.a. die Arbeits- und Tätigkeitsfelder, die von den Führungskräften übertragen wurden. Hiervon hing stark ab, ob ein Mitarbeiter psychisch belastet war oder nicht. Diese Gestaltungsfreiräume stehen allerdings für die direkten Vorgesetzten (untere Führungsebene) oft nicht zur Verfügung.

Fazit der ReSuLead-Studie:

  • Gesundes Führen ist erlernbar.
  • Es besteht ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen Führung und Mitarbeitergesundheit.
  • Psychisches Wohlbefinden und bestehender Stresslevel haben einen Einfluss auf die physische Gesundheit.
  • Gesundes Führen bedeutet soziale Interaktion und ist zusammen mit dem Mitarbeiter umzusetzen.
  • Mitarbeiter haben ebenso wie die Führungskräfte in der direkten Interaktion wesentliche Möglichkeiten die Führungskräfte positiv zu beeinflussen. 

Insgesamt macht die Studie sehr deutlich darauf aufmerksam, dass ein erhebliches Defizit innerhalb der sozialen Interaktion zwischen Führungskräften und Mitarbeitern in Unternehmen besteht und eine Verhaltensmodifikation nicht nur möglich ist sondern auch langfristig - bezüglich des Faktors Gesundheit und Ressource Mensch - riesige Potentiale birgt. Dieses Verhalten bedeutet ein spezifisches Umlernen und  findet deshalb ganz eindeutig in den „Köpfen“ aller Beteiligten statt. Zu den Beteiligten zählen – der ReSuLead Studie folgend - jedoch nicht nur die unmittelbaren Führungskräfte, sondern alle Ebenen. Nicht zuletzt zeigt die ReSuLead-Studie auch, dass der Mitarbeiter selbst ebenfalls erheblichen Anteil an diesem Prozess hat.


PROVENTIKA-KOMMENTAR

Die Themen „Führungsstil“ und „Gesundheit„ werden von vielen Unternehmen oft intensiv diskutiert und - sowohl von den Führungskräften als auch der Unternehmensleitung - meist sehr heterogen bewertet. Allgemein unterschätzt werden der hohe Einfluss der Führungskraft und die zur Verfügung stehenden ungenutzten Potentiale des Mitarbeiters. Gleichzeitig besteht große Ratlosigkeit und zu wenig Wissen um das Thema „psychische Gesundheit“ bzw. den Möglichkeiten diese im Alltag aktiv zu schützen. Bereits eine Erhebung des bestehenden Status Quo in Unternehmen gestaltet sich als unsicheres Unterfangen. Was sind überhaupt psychische Belastungen und wie kann ich sie als Führungskraft erfassen oder messen? 

 

Nicht zu leugnen ist, und dies zeigen viele Studien mit großer Übereinstimmung, dass sich der Führungsstil einer Führungskraft negativ oder auch sehr positiv auf die Gesundheit der Mitarbeiter auswirken kann.

Allerdings muss die Diskussion um dieses Thema von vorschnellen und oft einseitig erhobenen negativen Interpretationen bzgl. der Situation in Unternehmen gelöst werden. Zu schnell und eindimensional wird die Führungskraft als die eigentliche Ursache der aktuellen negativen Situation wahrgenommen. Gleichzeitig wird das Thema „Führungskraft und Gesundheit“ so gut wie nie offen im Unternehmen angesprochen. Darüber hinaus wird oftmals pauschal den Mitarbeitern eine unzureichende Resilienz zugewiesen.

 

Die ReSuLead Studie zeigt, dass die Unternehmensleitung -  einschließlich aller Führungskraftebenen – eine Mitverantwortung für den psychischen und physischen Zustand des Mitarbeiters in ihrem Unternehmen trägt.

Eine Verbesserung der gesundheitlichen Situation durch eine zielgerichtete verbesserte Führungskultur hat wesentlichen Einfluss auf diese Parameter und ist gleichzeitig wesentliche und originäre Aufgabe von Führung im Unternehmen.

Dies zu Lernen und in die Praxis umzusetzen ist die wichtigste Voraussetzung zur grundsätzlichen Verbesserung aller unternehmensrelevanten Kenngrößen rund um die Ressource Mensch. 

 

Wichtige Fragen zu diesen Themen sind aus Sicht einer neurowissenschaftlich orientierten Herangehensweise essentiell und praxisnah zu stellen:

  • Welche Belastungen bestehen grundsätzlich vor Ort?
  • Wie hoch sind diese Belastungen tatsächlich?
  • Sind diese Belastungen chronisch anhaltend oder akut punktuell?
  • Wie lassen sich Indikatoren für psychische Belastungen schnell und ohne negative Diskriminierung erfassen?
  • Welche positiven Einflüsse durch ein gesundheitsförderliches Führungsverhalten (aller Ebenen) sind vor Ort möglich?
  • Welches positive Outcome wird angestrebt?
  • Was genau sind die Einflussfaktoren vor Ort?
  • Welche Rolle spielen die Führungskräfte aller Ebenen genau?
  • Welchen Beitrag können die Mitarbeiter leisten?      

 

Neben der Statuserhebung, nach einem speziell dafür entwickelten  neurowissenschaftlich fundierten Ansatz, lassen sich geeignete praxisnahe sowie hocheffiziente Maßnahmen einleiten, die vor Ort erlernt und umgesetzt den Erfolg eines Unternehmens langfristig sichern.


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