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III. "Jeder sechste Arbeitnehmer hat bereits innerlich gekündigt" - Ergebnisse der Gallup-Studie 2013

Das renommierte Markt- und Meinungsforschungsinstitut Gallup (mit Sitz in Washington DC) hat, wie jährlich seit 2001, im März diesen Jahres den Report zum „Engagement Status“ der Mitarbeiter in deutschen Unternehmen für das Jahr 2013 veröffentlicht.

Der Report dokumentiert die emotionale Bindung der Mitarbeiter zu ihrer Arbeit und zum Unternehmen als ein Maß der Zufriedenheit. Für ein repräsentatives Ergebnis der Arbeitnehmerschaft in Deutschland wurden 1.368 zufällig ausgewählte Arbeitnehmer ab 18 Jahren telefonisch interviewt. Ähnliche Befragungen nimmt Gallup in vielen weiteren Ländern vor, nach eigenen Angaben hat das Institut in den vergangenen drei Jahren weltweit über 3 Millionen Beschäftigte befragt. Ziel ihrer Marktforschung ist es, die Unternehmensleitungen für die Pflege eines engagierten Mitarbeiterstammes zu sensibilisieren.

 

Die Ausprägung der emotionalen Bindung der Arbeitnehmer wird dabei u.a. anhand von Gallups zwölf Aussagen zum Arbeitsplatz bzw. -umfeld, den so genannten Q12®, gemessen. Basierend auf der Zustimmung zu den Aussagen, werden die Befragten im Ergebnis den Kategorien "ohne emotionale Bindung", "geringe emotionale Bindung" und "hohe emotionale Bindung" zugeordnet.

 

Die Daten sind in langer Tradition auch 2013 wieder niederschmetternd.

In den seit 2001 jährlich erhobenen Gallup Reports findet sich für 2012 der vorläufige Höchststand an unzufriedenen Arbeitnehmern, 24% aller Befragten hatten keine emotionale Bindung zu ihrer Arbeit.

Aus dieser Sicht könnte man den Rückgang 2013 auf „nur“ 17% für einen positiven Trend halten. Allerdings liegt die Anzahl derjenigen Mitarbeiter mit einer geringen emotionalen Bindung bei hohen 67% (im Vergleich: dieser Anteil lag 2012 bei 61%)!

 

Interessant ist ein genauerer Vergleich innerhalb der drei Gruppen:

 

  • Eine deutliche Tendenz finden wir u.a. bei den Fehltagen der Mitarbeiter, hier liegt der prozentuale Anteil der Arbeitnehmer mit schlechter und ohne emotionaler Bindung wesentlich höher, als bei denjenigen mit einer hohen emotionalen Bindung. So fehlten diese dem Unternehmen verbundene Mitarbeiter 2013 70% weniger.

 

Mitarbeiter mit einer schlechten bzw. ohne emotionaler Bindung...

 

  •  ... stehen unter starken Stressbelastungen. Außerdem fehlt ihnen das Vertrauen zu den Vorgesetzten und dem Unternehmen.
  •  ... arbeiten „Dienst nach Vorschrift“. Ihr Arbeitsstil ist geprägt durch Unzufriedenheit, mangelndes Vertrauen, Distanz und Enttäuschung über die Unternehmenspolitik.
  •  ... tragen mit ihrer Unzufriedenheit zu einem schlechten Betriebsklima bei und schädigen so das Unternehmen langfristig.

 

Besonders brisant ist der schleichende Arbeitsqualitätsverlust. Erscheint auf den ersten Blick noch alles in Ordnung, da die Arbeitsläufe zunächst weiterhin funktionieren, werden besonders in Krisensituationen die angestauten Mängel sichtbar. Vorgesetzte sind im Alltag laut Gallup größtenteils nicht in der Lage, diese schleichenden Prozesse zu erkennen und die bestehende Unzufriedenheit zu hinterfragen.

 

Die wichtigsten Ergebnisse im Detail

 

  • Nur 16% der Arbeitnehmer in Deutschland arbeiten mit hoher emotionaler Bindung zu ihrer Arbeit und damit auch zu ihrem Unternehmen.
  • 67 % der Beschäftigten in Deutschland empfinden keine echte Verpflichtung ihrer Arbeit gegenüber, sie sind "unengagiert".
  • 17 % sind ohne jede positive emotionale Bindung und haben innerlich gekündigt. Sie seien damit sogar "aktiv unengagiert“ und zeigen unerwünschtes Verhalten, das zu Lasten der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen geht.

 

  • In der Regel sind Frauen engagierter und emotional stärker gebunden als Männer.
  • Ältere Mitarbeiter 45+ sind häufiger aktiv unengagiert.

 

  • Der häufigste Grund für die schlechte Einstellung zur Arbeit ist: Schlechtes Management. Die Arbeitnehmer gaben an, dass sie nicht wissen, was von ihnen erwartet wird, der Vorgesetzte sich nicht als Mensch für sie interessiert, sie eine Position ausfüllen, die ihnen nicht liegt, ihre Meinung und Ansichten beim Vorgesetzen und im Unternehmen kaum Gewicht haben.
  • Die mangelnde Wertschätzung durch den Vorgesetzten wird als besonders gewichtig empfunden. Bei den Mitarbeiter ohne emotionale Bindung gaben nur 4% an, dass sie in den letzten Wochen eine positive Rückmeldung für ihre Arbeit erhalten haben, bei den emotional stark gebundenen waren es 79% der Befragten.

 

  • 12% der emotional wenig gebundenen Befragten erwägen in den nächsten 12 Monaten einen Arbeitsplatzwechsel, während dessen nur 7% der Engagierten dies erwägen.

 

Fazit:

Die Ergebnisse sprechen klar dafür, dass die Ursachen hauptsächlich bei den Führungskräften zu suchen sind. Marco Nink, einer der Projektleiter bei Gallup, fasst zusammen: „Es wird deutlich, welchen Einfluss das Führungsverhalten, also die Erfüllung der elementaren Bedürfnisse und Erwartungen am Arbeitsplatz, auf die Verbundenheit der Mitarbeiter hat. Gute Führung orientiert sich am Menschen.

In jedem Unternehmen lassen sich durch geeignete Maßnahmen Verbesserungen erzielen, denn der Grad der emotionalen Bindung ist unabhängig vom Ausgangsniveau veränderbar.

Unternehmen dürfen ihr Humankapital nicht vernachlässigen und müssen dem Führungsverhalten größere Bedeutung beimessen.

Der Erfolg eines Unternehmens hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dabei wird ein Aspekt oft übersehen: Die Mitarbeiter!".

 

 

Gallup konnte zeigen, dass sich die Produktivität von Unternehmen durch entsprechende Maßnahmen zur Steigerung der emotionalen Mitarbeiterbindung nachweisbar und erheblich verbessern lässt.

Mitarbeiter, die sich voll mit einem Unternehmen und vor allem IHRER Arbeit identifizieren, arbeiten besser, effizienter, kreativer und innovativer. Sie tragen mit eigenen Lösungen und Ideen zum Arbeitsprozess bei und bereichern damit das Unternehmen nachhaltig.

 

Die wertvollen Potentiale, die in jedem Mitarbeiter stecken, lassen sich insbesondere durch ein wertschätzendes Führungsverhalten kontinuierlich entfalten. Hierbei können die Ergebnisse der Hirnforschung und Neurowissenschaften einen wichtigen Beitrag leisten. So können die am Proventika-Institut IAH entwickelten Tools zur Erkennung und Adressierung von individuellen Bedürfnissen und Wünschen einen wertvollen Beitrag für eine positiv emotionale Mitarbeiterbindung im Unternehmen leisten. Dazu gehören nicht nur Regeln der wertschätzenden Kommunikation, sondern auch vor allem die Fähigkeit des Einzelnen, Fehltritte und persönliche Verletzungen und Enttäuschungen annehmen und nachhaltig verzeihen zu können. Dieser Aspekt findet bisher noch wenig Beachtung in Trainings und Workshops. Wenn Sie dazu weitere Fragen haben, setzen Sie sich direkt mit Dr. Sven Sebastian (info@proventika.de) in Verbindung. Er steht Ihnen mit seinen Erfahrungen sehr gern Rede und Antwort.