III. Der verborgende Schatz im Personalmanagement: Emotionale Mitarbeiterbindung

Unternehmen, die es schaffen eine loyale und emotionale Bindung bei ihren Mitarbeitern aufzubauen, arbeiten produktiver, innovativer und nachhaltiger. Eine Erkenntnis, die jede/r Personalverantwortliche im Schlaf rezitieren kann. Umzusetzen scheinen das allerdings die wenigsten, so besitzen laut Gallup-Studie 2013 80% der befragten MitarbeiterInnen lediglich eine geringe emotionale Bindung zu ihrem Unternehmen, jede/r Vierte hat sogar bereits innerlich gekündigt. Jene Angestellten arbeiten streng nach Vorschrift, besitzen eine geringe Motivation, Eigeninitiative, Verantwortlichkeit und betreiben in ihrer ablehnenden Haltung Sabotage. Auf Dauer entsteht so ein erheblicher Schaden für das Unternehmen. Dennoch halten sich die Bemühungen um die Förderung einer emotionalen Bindung auf einem geringen Level, man setzt lieber auf lebenserhaltende Maßnahmen anstelle von Vorsorge und Potentialausbau, so lange der Mitarbeiter Kennzahlen fokussiert funktioniert und nicht kündigt, erscheint die Situation zumindest unter Kontrolle.  

 

Dabei arbeiten MitarbeiterInnen mit einer starken emotionalen Bindung zu den bestehenden Aufgaben, untereinander und zur Führungsebene nachweisbar auf einem hohen Leistungslevel. Ihr Denken, Bewerten und tägliches Handeln ist durch Engagement, Aufmerksamkeit sowie vielen Ideen im Sinne des Unternehmens geprägt. Damit wird klar: In den MitarbeiterInnen selbst steckt mit Abstand das größte Potential! Dieses gilt es zu entdecken, zu heben, wertzuschätzen, auszubauen, zu entwickeln und im Interesse einer gesunden Unternehmenskultur im Alltagsgeschäft umzusetzen.

 

Doch, worin liegt der Schlüssel zu einer langfristigen emotionalen Bindung zwischen MitarbeiterIn und Unternehmen? Und vor allem: was bedeutet emotionale Bindung überhaupt?

 

Um diese Fragen zu beantworten, sollten wir uns zunächst mit den Grundlagen vertraut machen: Warum binden wir uns überhaupt an Unternehmen, an Vereine und Gruppierungen, an Teams oder einzelne Personen? Der Grund dafür liegt in der Biologie des Menschen verankert.

 

Was ist „menschliche Bindung“?

 

Die empirische Bindungsforschung nimmt bereits seit Jahrzehnten ein breites Feld in der Wissenschaft ein, u.a. in den Bereichen der Entwicklungs- und Sozialpsychologie, sowie der Neurobiologie. Primär stehen insbesondere Babys, Kinder und Jugendliche im Mittelpunkt der Studien. Aber auch Menschen mit psychischen Erkrankungsbildern. Männer und Frauen im Erwachsenenalter und ihre Bindungssysteme stehen, zumindest bei einem kleinen Teil von Studien, im Mittelpunkt der Betrachtung.

 

Man unterscheidet im Wesentlichen zwischen vier unterschiedlichen zwischenmenschlichen Bindungssystemen:

  1. Das „attachement system“ wird insbesondere in Krisensituationen aktiviert.
  2. Im „caregiver system“  wird in erster Linie die Fürsorge angesprochen. Wie z.B.   die Bindung einer Mutter zu ihrem Kind.
  3. Wenn die romantische Liebe gemeint ist, spricht man vom „sexual system“.
  4. Und das „affiliate system“ meint u.a. die Bindung zu Freunden.

 So heterogen die Vorstellungen zum Thema Bindung auch sein können, allen Studien ist gemein, dass es immer eine starke emotionale Nähe zu einem anderen Menschen beschreibt, der in aller Regel in diesem Bezugssystem nicht einfach ausgetauscht werden kann,. Die Fähigkeit des Menschen zu emotionaler Bindung ist darüberhinaus mit entscheidend für die individuelle Entwicklung, nicht nur in der Kindheit. Nur durch den gemeinsamen Austausch von Wissen, Erfahrungen, Empfindungen, Gedanken, Berührungen usw. erlangen wir eine positive Selbstwirksamkeitserwartung und können unsere Potentiale ausschöpfen und zielorientiert einsetzen.

 

Beim Blick auf die vorherrschenden Ansätze zum Thema „Bindung“ stellen sich aus neurobiologischer Sicht sofort folgende Fragen: Was passiert mit uns mental wenn wir uns an Etwas gebunden fühlen? Können wir uns willentlich und gezielt binden oder „passiert“ dieser Prozess einfach? Warum binden sich manche Menschen stärker an materielle Güter oder an ein Erfolgserlebnis und sind damit auch noch glücklich? Ist die soziale Bindung, wie auch einige Hirnforscher immer wieder betonen, wirklich die alles entscheidende Triebkraft für das Verhalten, Entscheiden und Denken eines Menschen? Welchen Einfluss hat die Qualität einer Bindung auf die Erfüllung von Bedürfnissen im Alltag? Welcher „Preis“ muss gezahlt werden um sich emotional „sicher“ gebunden zu fühlen oder jemanden an sich emotional zu binden?

 

„Bindung“ aus neurobiologischer Sicht

 

Der Mensch fühlt sich an etwas gebunden und diesem verpflichtet, wenn auf Grundlage der Interaktion miteinander ein positiv empfundener „Cocktail“ im menschlichen Gehirn, bestehend aus neurobiologischen Aktivitätsmustern und definierten Neuromodulatoren und –transmittern, entsteht. Dieser objektive neurokognitive Zustand, auch Emotion genannt, entspricht dem homöostatisch regulierten Zusammenspiel zwischen neuronalen Aktivitätsmustern im menschlichen Gehirn sowie allen Regelmechanismen im menschlichen Organismus und wird von jeden Einzelnen subjektiv bewertet. Der Mensch muss „Bindungen“ zu seiner Umgebung aufnehmen, um eine entsprechende „subjektive Emotionsbilanz (Gefühle)“ herstellen zu können, die ihm wiederum die Möglichkeit gibt, Entscheidungen zu treffen um davon ausgehend ein Annäherungs- oder Vermeidungsverhalten im Interesse des eigenen Überlebens im Alltag herzustellen.

 

An der Ausprägung eines Bindungsverhaltens und der damit verbundenen Emotionsbilanz sind u.a. folgende neurobiologische Subsysteme beteiligt:

 

  1. Hippocampus: In dieser zentralen Schaltstelle unseres Gedächtnisses findet zum Teil der wichtige Prozess der Langzeit-Engrammierung statt. Zur Herstellung, Aufrechterhaltung und Bewertung einer Bindung werden sehr viele Informationen aus dem Langzeitgedächtnis aufgerufen und neue Eindrücke eingespeichert.
  2. Über das vetral-tegmentale System wird die Bindung zu einem Menschen oder Objekt langanhaltend stabilisiert. Kommt es aufgrund der Interaktion mit dem Objekt oder dem Menschen des „Verlangens“ zu einer Aktivierung dieser Netzwerkstrukturen, dann wird dies vom Menschen wiederum als motivierend und belohnend empfunden.
  3. Amygdala und Hippocampus: Beide Bereiche managen und bewerten in engem Kontakt miteinander positive und negative Stimuli.
  4. Präfrontaler Cortex: Dieser Bereich strukturiert die logischen Zusammenhänge und reguliert die emotionsstimulierenden Hirnareale, so dass diese gedämpft oder aktiviert werden. Alle Prozesse laufen gleichzeitig ab, so dass nicht davon ausgegangen werden kann, dass erst eine emotionale Entscheidung getroffen wird, die dann durch einen logischen Denkprozess ausgewertet wird. Am „Geburtsort“ der Logik wird so unter anderem argumentiert, inwiefern der neue Arbeitgeber bessere Konditionen bietet, als der vorherige. Außerdem werden hier abgespeicherte Daten zum Bindungsverhalten nachgefragt (Zugriff auf bereits memorisiertes Datenmaterial u.a. aus dem Hippocampus) und es findet ein Abgleich mit den individuellen Erfahrungen, dem Wertesystem sowie dem Status der Grundbedürfnisse statt. Ein einmaliges Fehlverhalten führt so in den seltensten Fällen zu einem Bindungsverlust.

 

Wie funktioniert Bindung in der Arbeitswelt?

 

Zu Beginn eines Arbeitsverhältnisses kann zunächst erst einmal davon ausgegangen werden, dass ein Arbeitnehmer in vielen einzelnen Kernthemen im Hinblick auf das Unternehmen für sich selbst eine ausgeprägte positive Bilanz gefunden hat.

Kriterien sind hierbei u.a.:

 

  • Passt das Unternehmen zu mir (Unternehmenskultur, Unternehmensführung etc.)?
  • Entspricht meine zukünftige Position meinen Fähigkeiten, Qualitäten und Eigenschaften?
  • Ist die Tätigkeit für mich erfüllend?
  • Wie ist mein Umfeld (Kollegen etc.)?
  • Ist die Bezahlung angemessen?
  • Komme ich mit meinem Vorgesetzten klar?

 

 Im Grunde fragt sich das menschliche Gehirn immer: Was habe ich davon? Können das vorliegende System und die darin agierenden Menschen meine Grundbedürfnisse und Ziele erfüllen? Fühle ich mich aufgehoben? Wertgeschätzt? Als Mensch? Werde ich gefragt? Fair behandelt?  Was bietet mir das Unternehmen wirklich und hält es das was es mir verspricht?

 

Beginnt der Arbeitnehmer in diesen Bereichen mit einer positiven Bilanz, steht bereits das Fundament für eine langfristige emotionale Bindung. Welche Kriterien hierbei genau und mit welcher Gewichtung in die Gesamtwertung eingehen, steht im Zusammenhang mit den individuellen Bedürfnissen, d.h. jede Bindung ist individualisiert und lässt sich nicht mit allgemeingültigen Werkzeugen herstellen.

An diesem Punkt sprechen wir also noch nicht von einer emotionalen Bindung, lediglich von einem positiven „Kennenlernen“. Bindungen brauchen neurobiologisch gesehen schlicht und einfach Zeit. Erst wenn auf diesem Fundament gemeinsame Erlebnisse aufbauen, die die positive Emotionsbilanz bestätigen und verstärken, können sie entstehen.

 

Folglich beruht die starke emotionale Bindung eines Arbeitnehmers auf individuellen Faktoren, die über eine längere Zeit in der eigenen Bilanz im positiven Bereich liegen müssen. Der Knackpunkt liegt hier insbesondere an der direkten Schnittstelle zwischen Arbeitnehmer und Unternehmen, das bedeutet im Verhältnis zum unmittelbaren Vorgesetzten. Denn letztendlich basiert auch die Bindung zu einem Unternehmen auf menschlichen Beziehungen. So kann ein finanzieller Anreiz zwar die Zufriedenheit steigern, emotional binden kann man einen Mitarbeiter auf diese Weise aber nicht.

Emotionale Mitarbeiterbindung darf auch nicht mit völliger „Selbstaufgabe“ verwechselt werden, so kann eine nachhaltigen Bindung nur funktionieren, wenn eine Balance zwischen Familie/Freizeit und Beruf gegeben ist.

 

Genauso, wie jede andere gesunde Bindung auf Wertschätzung und Vertrauen basiert, sind es auch im Berufsleben die Faktoren auf die es ankommt. Führungskräfte, die (wirklich) wertschätzend mit ihren Mitarbeitern kommunizieren und umgehen können, die verlässlich sind und sich ernsthaft für die Bedürfnisse des anderen interessieren, sind der Schlüssel zu einer langfristigen Mitarbeiterbindung. Arbeitnehmer sollten immer in die Prozesse des Unternehmens eingeführt werden, sich als Teil des großen Ganzen betrachten dürfen. Es ist wichtig, dass sich Führungskräfte ihre Meinung anhören, sich für sie einsetzen und ihm Sicherheit geben, kurzum seine Bedürfnisse erfragen und berücksichtigen.

 

Je achtsamer, toleranter, klarer, verständlicher und vertrauensvoller sich Menschen binden, umso stärker ist das menschliche Gehirn von den anstehenden Aufgaben begeistert, sprüht vor Kreativität, Motivation und Freude, ist leistungsfähig und konzentriert.

 

Aber welche Umgangsformen, sprachlichen Regelungen, Stimuli und Reize von außen erregen nun optimal die Nervenstrukturen im Gehirn eines Mitarbeiters, die mit wertschöpfender Bindung, Loyalität, Motivation und Willenskraft verbunden sind? Und wie kann eine Führungskraft die Bedürfnisse seiner Mitarbeiter in Erfahrung bringen und auf diese eingehen? Die aktuelle Hirnforschung liefert uns in diesen Bereichen viele wichtige Erkenntnisse, die wir bei Proventika in alltagstaugliche und praxisnahe Methoden einfließen lassen.

 

Das integrative und nachhaltige Trainingsprogramm 4moreSuccess für emotionale Mitarbeiterbindung in Unternehmen setzt an vier wichtigen Schnittstellen an:

1.     Ressourcen- und Potentialanalyse – Führungskräfte

2.     Ermittlung des persönlichen Führungsstils – Führungskräfte

3.     Ressourcen- und Potentialanalyse – Mitarbeiter

4.     Resilienz-Training – Führungskraft und Mitarbeiter

 

 Gerne senden wir Ihnen auf Anfrage unternehmensspezifische Angebote zu.